Ersatzverkehr 2002...und rechts die malmenden Irrfelsen
"Betrachten Sie die Stadt. Sie ist eine Idee. Jedes Ding in ihr ist der Vorstellungskraft entsprungen. Alles an ihr ist erdacht und geschaffen. Alles um Sie herum ist Absicht."
Stellen Sie sich vor, Sie nehmen an einer Stadtrundfahrt teil. Die Reiseleiterin beginnt routiniert ihren Vortrag, beschleunigt, überschlägt sich, und Sie beschleicht das Gefühl, etwas geht nicht mit rechten Dingen zu. Ihr Gefühl ist richtig. Das, was Sie über die Stadt hören, ist nicht, was Sie draußen an sich vorbeiziehen sehen.
Während die Reiseleiterin noch die Sehenswürdigkeiten der Stadt beschreibt, fährt der Bus bereits durch innerstädtische Brachlandschaft. An einer abgelegenen Kreuzung wird sie zurückgelassen. Eine Mumie betritt den Bus, für unbekannte Zeit als blinder Passagier.
Eine groteske, komische Irrfahrt. Niemand ahnt, was ihm begegnen wird, wie, wann und wo die Reise endet. Und mancher, der seine eigene Stadt nicht wieder erkennt, lernt sie erstmals wirklich kennen. Diese Stadt wandelt sich zu einer Kulisse, die zusehends lebendig wird, sich einmischt und ihre eigene Rolle im Stück wahrnimmt.
In "Ersatzverkehr" verzahnen sich Fiktion und Historie, erfundene Existenzen und geplante, aber nie eingetretene Ereignisse. "Ersatzverkehr" ist die Inszenierung dieser Widersprüche. Thema ist die Illusion Stadt, der künstliche Dschungel, seine Wirkung auf den zivilisierten Menschen, seine phantomhafte Existenz. Die Aktionen an den Haltepunkten des Busses ziehen überraschende Reaktionen der Menschen auf Straßen und Balkonen nach sich. Die Passagiere erleben diese und sind in ihrer Neugierde zugleich selbst Objekte der Neugierde.